Memento, Irreversible und Babel – Vorzeichen für Film 3.0

Film/Gaming-Konvergenz findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Von der Produktion bis hin zur Distribution und zum Marketing nähern sich die beiden Industrien Film und Gaming seit Jahren beständig an.
Erste Vorzeichen für diese Entwicklung sind bereits in den Filmen Memento (Christopher Nolan, 2000), Irreversible (Gaspar Noé, 2002) und Babel (Alejandro Gonzalez Inarritu, 2006) zu erkennen.

Diese drei Filme haben eines gemeinsam. Sie heben die lineare Erzählstruktur des klassischen Films auf und sind daher frühe Vorboten einer möglichen zukünftigen Filmform, in der die Story interaktiv vom Prosumer (Producer u+ Consumer) umgeschrieben wird.

In Memento spielt Guy Pearce einen Mann, der an Gedächtnisschwund leidet und versucht den Mord an seiner Frau zu rächen. Regisseur Christopher Nolan lässt den Film nicht nur rückwärts ablaufen, sondern gibt durch speziell eingefügte s/w Szenen auch den Hinweis, dass die Story auch beliebig anders ablaufen könnte.

memento poster

Erste Anzeichen für Interaktivität sind erkennbar. Interessant wäre es gewesen, wenn die Technik schon damals so weit gewesen wäre, und Nolan die Möglichkeit gehabt hätte, dem Publikum die Entscheidung über den Verlauf der Story zu überlassen.

Rache ist auch ein zentrales Element in Irreversible. Der Film erzählt die schockierende Geschichte einer Partynacht in Paris, bei der es zu einer Vergewaltigung kommt, die in weiterer Folge brutal gerächt wird.

irreversible poster

Das besondere daran: Auch diese Geschichte wird rückwärts erzählt, allerdings mit wenig Ausweich- oder Umschnittmöglichkeiten.

Babel ist meines Wissens der letzte Hollywood-Film (abseits von Episodenmovies wie Coffee and Cigarettes), der die Idee der nonlinearen Geschichte aufgegriffen hat.

babel poster

Der Film wird zwar gewöhnlich erzählt, zeigt aber, wie das Schicksal verschiedener Menschen weltweit durch kleine Dinge zusammenhängt. Auch hier sind die einzelnen Sequenzen austauschbar und würden den Film in seiner hohen Qualität nicht beeinflussen.

Nonlineare Plots sind eigentlich ein Merkmal von Videospielen. Das Gameplay kann unterbrochen werden, an anderen Stellen wieder aufgenommen werden etc. und man kommt trotzdem meist zum Ende.
Seit Aufkommen des Web 2.0 wird der Aufruf zu User Generated Content groß geschrieben. Nutzer sollen ihre Version von Filmen oder Audioclips auf diversen Plattformen hochladen und anderen präsentieren.
So gab es bereits diverse Kampagnen, bei denen Trailer neu geschnitten werden konnten, oder selbst ganze Filme. Das ist auch das erklärte Ziel von Projekten wie Filmtrip oder A Swarm of Angels, wo derzeit ein gesamter Film unter Mithilfe der User realisiert und vor allem finanziert wird.

Auch die Next-Generation Disks Blue-Ray und HD-DVD (gibt es ja seit kurzem nicht mehr weil Toshiba die Produktion eingefroren hat) setzen auf den Trend Remix.
Warner wagte mit dem HD-DVD-Release seines Blockbusters “300″ im Herbst 2007 einen ersten Schritt in Richtung Remixing im Home Entertainment. Besitzer des Films konnten den Film auf der Disk neu schneiden, ihre fertigen Projekte dann auf eine eigens eingerichtete Website hochladen und mit Versionen anderer “300″-HD-DVD-Besitzer vergleichen und diese bewerten.
Natürlich sind diese Vorgägne auch auf Blue-Ray möglich. Ähnliche Projekte werden vermutlich schon bald folgen.

Während sich Filme narrativ an Games angleichen, passiert im Game-Bereich interessanterweise genau das selbe umgekehrt. Egal of “Call of Duty 4″, “Turok” oder eben “Assassin’s Creed”, jedes dieser Games hat eine filmgleiche Handlung, die man relativ linear durchspielen kann/muss, immer mit der Möglichkeit natürlich, auch den nonlinearen Weg zu gehen.
Es ist also nur eine Frage der Zeit bis erste Games mit Filmelementen bzw. umgekehrt Filme mit Gaming-Elementen, die Einfluss auf den weiteren Verlauf des jeweiligen Handlungsstrangs haben, auf den Markt kommen.

Da ich eher von der Filmseite komme, möchte ich hier gleich einen Aufruf für Input von Gaming-Seite starten. Sollten bereits Titel bekannt sein, die über beschriebene Funktionen verfügen, bin ich für Input sehr dankbar

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