Im Rahmen des Film 3.0 Think Tanks Mitte Februar haben wir uns Gedanken über die zukünftigen Entertainmentszenarien bis 2020 gemacht.
Bei der Entwicklung eines Szenarientrichters ist auch das Thema Video Tattoo aufgekommen.
Wir haben diese Erfindung für derzeit noch sehr utopisch empfunden und die Einführung dieser Technologie zwar für sehr wahrscheinlich allerdings erst in etwa 10 Jahren eingestuft.
Obwohl es sich dabei noch um eine Konzeptstudie handelt, ist klar ersichtlich, dass Forscher bereits an Entwicklungen in diese Richtung arbeiten und es vermutlich nicht mehr lange dauern wird, bis Tattoo-ähnliche Implantate die auf Abruf multimedialen Content zeigen, auf den Markt kommen.
Das hier genannte Beispiel ist zwar “nur” eine Art Displayerweiterung für Handys, die mit Bluetooth funktioniert. Der Gedanke lässt sich allerdings besonders in Richtung Entertainment sehr viel weiter spinnen.
Dann kann das Sprichtwort: Dieser Film geht unter die Haut wortwörtlich genommen werden!
Unser Trendbook2010 bietet übrigens unter anderem auch nähere Informationen zum Thema Future Interfaces
Die dritte Dimension war besonders in der Unterhaltungsbranche schon immer etwas Faszinierendes. Die Simulation von Räumlichkeit hat es in der Filmbranche erstmals bereits in den 50er Jahren gegeben, als 3D-Kurzfilme in ausgewählten Kinos gezeigt wurden. Durchsetzen konnte sich das dreidimensionale Kino allerdings selbst beim zweiten und dritten Anlauf in den 80er und 90er Jahren nicht.
Eine Gruppe der größten Hollywood-Regisseure aller Zeiten hat sich vereinigt, um ein weiteres Mal zu versuchen, das Kino auf seine nächste Stufe zu heben. George Lucas, James Cameron und Peter Jackson gründeten 2007 das Unternehmen In-Three. Ziel ist es, Kinofilme in Zukunft in 3D zeigen zu können, ohne dass ungemütliche Brillen gebraucht werden. Die dazu eigens entwickelte Software konvertiert aufgenommenes 2D-Filmmaterial und verleiht ihm eine dritte Dimension. Mit den Produktionen Beowulf (Start: November 2007) und James Camerons Avatar (geplanter Start: 2009) wartet man bereits gespannt auf die neue Generation des Kinofilms und vor allem darauf, ob der 3D-Standard in Games dazu geführt hat, dass auch Filme in Zukunft in räumlichen Bildern gezeigt werden.
User Generated Games, ein Thema mit dem ich mich heute auseinandergesetzt habe, scheinen nun Wirklichkeit zu werden.
Heute gab Microsoft bekannt, seine Spielkonsole Xbox 360 für Hobby-Spieleentwickler öffnen zu wollen.
Damit wird das, was bei Filmen bereits seit einigen Monaten im Heimkinobereich möglich ist, nämlich das Hochladen von User Generated Content auf eine speziell dafür vorgesehen Plattform, auch für Games realisiert.
Eine Online-Plattform, auf die die Xbox 360 User dank der Internetfunktion der Spielkonsole zugreifen können, ist ab sofort für Programmierer geöffnet.
Natürlich stellt Microsoft mit der Entwicklungsplattform XNA Game Studio 2.0 auch die nötige Software zur Verfügung, um sich selbst als Spielentwickler betätigen zu können.
Angekündigt wurde der Schritt in Richtung User Generated Game von John Schappert bei der Games Developer Conference in San Francisco.
Update: Nun folgen auch Wii und Playstation 3 wie bei MarketingVox und Reuters zu lesen ist.
Bei den Berlinale Keynotes hatte ich die Möglichkeit, mit Matt Hanson zu sprechen. Er hat bei den Keynotes über “Cinema 2.0″ gesprochen und dabei sein Projekt A Swarm of Angels vorgestellt.
Die Präsentation habe ich hier verlinkt.
Das Konzept des User Generated Kinofilm ließe sich natürlich auch auf Games umlegen. Wäre mal interessant, ob es hier bereits Projekte gibt oder ob etwas in Planung ist. Gerade die Open Source Bewegung ist hier sehr interessant, da es mit Blender auch bereits 3D-Animationsprogramme zur freien Verfügung gibt.
Ich spreche hier natürlich nicht von einfachen Minigames sondern von professionell produzierten 3D-Videospielen, die auf Next-Generation-Konsolen wie der PS3 oder der Xbox 360 laufen.
Film/Gaming-Konvergenz findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Von der Produktion bis hin zur Distribution und zum Marketing nähern sich die beiden Industrien Film und Gaming seit Jahren beständig an.
Erste Vorzeichen für diese Entwicklung sind bereits in den Filmen Memento (Christopher Nolan, 2000), Irreversible (Gaspar Noé, 2002) und Babel (Alejandro Gonzalez Inarritu, 2006) zu erkennen.
Diese drei Filme haben eines gemeinsam. Sie heben die lineare Erzählstruktur des klassischen Films auf und sind daher frühe Vorboten einer möglichen zukünftigen Filmform, in der die Story interaktiv vom Prosumer (Producer u+ Consumer) umgeschrieben wird.
In Memento spielt Guy Pearce einen Mann, der an Gedächtnisschwund leidet und versucht den Mord an seiner Frau zu rächen. Regisseur Christopher Nolan lässt den Film nicht nur rückwärts ablaufen, sondern gibt durch speziell eingefügte s/w Szenen auch den Hinweis, dass die Story auch beliebig anders ablaufen könnte.
Erste Anzeichen für Interaktivität sind erkennbar. Interessant wäre es gewesen, wenn die Technik schon damals so weit gewesen wäre, und Nolan die Möglichkeit gehabt hätte, dem Publikum die Entscheidung über den Verlauf der Story zu überlassen.
Rache ist auch ein zentrales Element in Irreversible. Der Film erzählt die schockierende Geschichte einer Partynacht in Paris, bei der es zu einer Vergewaltigung kommt, die in weiterer Folge brutal gerächt wird.
Das besondere daran: Auch diese Geschichte wird rückwärts erzählt, allerdings mit wenig Ausweich- oder Umschnittmöglichkeiten.
Babel ist meines Wissens der letzte Hollywood-Film (abseits von Episodenmovies wie Coffee and Cigarettes), der die Idee der nonlinearen Geschichte aufgegriffen hat.
Der Film wird zwar gewöhnlich erzählt, zeigt aber, wie das Schicksal verschiedener Menschen weltweit durch kleine Dinge zusammenhängt. Auch hier sind die einzelnen Sequenzen austauschbar und würden den Film in seiner hohen Qualität nicht beeinflussen.
Nonlineare Plots sind eigentlich ein Merkmal von Videospielen. Das Gameplay kann unterbrochen werden, an anderen Stellen wieder aufgenommen werden etc. und man kommt trotzdem meist zum Ende.
Seit Aufkommen des Web 2.0 wird der Aufruf zu User Generated Content groß geschrieben. Nutzer sollen ihre Version von Filmen oder Audioclips auf diversen Plattformen hochladen und anderen präsentieren.
So gab es bereits diverse Kampagnen, bei denen Trailer neu geschnitten werden konnten, oder selbst ganze Filme. Das ist auch das erklärte Ziel von Projekten wie Filmtrip oder A Swarm of Angels, wo derzeit ein gesamter Film unter Mithilfe der User realisiert und vor allem finanziert wird.
Auch die Next-Generation Disks Blue-Ray und HD-DVD (gibt es ja seit kurzem nicht mehr weil Toshiba die Produktion eingefroren hat) setzen auf den Trend Remix.
Warner wagte mit dem HD-DVD-Release seines Blockbusters “300″ im Herbst 2007 einen ersten Schritt in Richtung Remixing im Home Entertainment. Besitzer des Films konnten den Film auf der Disk neu schneiden, ihre fertigen Projekte dann auf eine eigens eingerichtete Website hochladen und mit Versionen anderer “300″-HD-DVD-Besitzer vergleichen und diese bewerten.
Natürlich sind diese Vorgägne auch auf Blue-Ray möglich. Ähnliche Projekte werden vermutlich schon bald folgen.
Während sich Filme narrativ an Games angleichen, passiert im Game-Bereich interessanterweise genau das selbe umgekehrt. Egal of “Call of Duty 4″, “Turok” oder eben “Assassin’s Creed”, jedes dieser Games hat eine filmgleiche Handlung, die man relativ linear durchspielen kann/muss, immer mit der Möglichkeit natürlich, auch den nonlinearen Weg zu gehen.
Es ist also nur eine Frage der Zeit bis erste Games mit Filmelementen bzw. umgekehrt Filme mit Gaming-Elementen, die Einfluss auf den weiteren Verlauf des jeweiligen Handlungsstrangs haben, auf den Markt kommen.
Da ich eher von der Filmseite komme, möchte ich hier gleich einen Aufruf für Input von Gaming-Seite starten. Sollten bereits Titel bekannt sein, die über beschriebene Funktionen verfügen, bin ich für Input sehr dankbar
Nachdem ich von verschiedenen Leuten bzgl. der eingeschränkten Kommentarfunktion Mails bekommen habe, ist das Problem nun behoben.
Es war wie immer eine reine Einstellungssache in Wordpress.
Ich freue mich über rege Diskussionen, die ab sofort möglich sind!
Bereits wenige Stunden nachdem dieser Blog online ging, ereilte mich erstes Feedback von einem Leser. Tobias hat mich auf das Projekt Kinshasa 2.0 aufmerksam gemacht.
Dabei handelt es sich um eine Mixed Reality Doku, die von der Agentur YOUin3D umgesetzt wurde und bei der Berlinale 2008 ihre Premiere feierte.
Mixed Reality Dokus sind eine noch relativ neue Form des Filmemachens. Im Gegensatz zu klassischen Machinimas, mischen diese Produktionen, wie der Name schon sagt, Real-Aufnahmen mit Mitschnitten aus virtuellen Welten wie zum Beispiel Second Life.
Auch Kinshasa 2.0 setzt sich aus realen Kameraufnahmen und künstlichen Bildern aus der Welt von Second Life (genauergesagt aus newBerlin) zusammen und zeigt so, dass auch das derzeit sehr beliebte Genre der Dokus auf diese neuartige Form produzierbar ist.
Der Kurzfilm von Regisseur Teboho Edkins ist im Rahmen des internationalen Politik-Projekts Why Democracy entstanden und ist auf Youtube in zwei Teilen zu sehen.
Teil 1:
Teil 2:
Zum Abschluss hier eine kurze Zusammenfassung, worum es in dem Film geht: Kinshasa 2.0 tells the story of how the arrest of Marie-Thérèse Nlandu, a woman from a prominent political family in the Democratic Republic of Congo, was publicised through the Internet and resulted in filmmaker Teboho Edkins visiting Kinshasa to see how the arrest has affected the family.
Die berühmte TV-Serie CSI – Crime Scene Investigation befasst sich in einer ihrer aktuellen Folgen mit moderner Internetkriminalität. Ihre Ermittlungen führen die Protagonisten in die virtuelle Welt von Second Life, wo sie einer heißen Spur auf der Fährte sind. Damit spielt Linden Labs zweite Welt zum ersten Mal in einer populären TV-Serie eine zentrale Rolle. Doch damit nicht genug. Der amerikanische TV-Sender CBS, der die Serie produziert, hat zeitgleich die Schauplätze aus der Serie in Second Life nachbauen lassen, um den Fans der Serie zu ermöglichen, auch selbst auf die virtuelle Spurensuche zu gehen.
Unser Trendbook2010 bietet übrigens unter anderem auch nähere Informationen zu den Themen Second Life, MMORPG und Film 3.0
Der französische Spielehersteller Quantic Dream hat das neueste Thriller-Game Heavy Rain für die Playstation 3 produziert. Um dem äußerst real wirkenden Spiel einen noch filmischeren Charakter zu geben, entschlossen sich die Produzenten, die Werbeclips für das Game in Form von Casting-Clips aufzubauen. In einem Video ist eine virtuelle Frau zu sehen, die schüchtern vor eine Kamera tritt, um sich für die Hauptrolle im Spiel zu bewerben. Sieht man bei Heavy Rain nicht genau hin, erkennt man den Unterschied zwischen Film und Game kaum mehr.
Malcolm Gladwell schreibt in "Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können" über das Phänomen der Mundpropaganda und wie sie über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Patrick Vonderau und Vinzenz Hediger vereinen in Ihrem Sammelband "Demnächst in ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung" Aufsätze bekannter Filmvermarktungsexperten zum Thema Filmwerbung und Filmpromotion.
Holm Friebe und Sascha Lobo zeichnen in Ihrem Buch "Wir nennen es Arbeit" das Porträt der modernen Arbeitsgesellschaft und gehen dabei auch auf die Themen Social Media, Web 2.0 etc. ein.
Wired-Redakteur Chris Anderson schrieb "The Long Tail - Der lange Schwanz" bereits vor einigen Jahren. Jetzt gibt es den Klassiker auch auf deutsch.
Rick Levine, Christopher Locke, David Weinberger und Doc Searls schrieben "Das Cluetrain Manifest. 95 Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter" bereits lange Zeit vor Web 2.0. Doch erst jetzt werden die Thesen hochaktuell!
Robert Marich über "Marketing to Moviegoers" - Persönlich noch nicht gelesen aber bald
Daniela Kloocks Sammelband bietet interessante Beiträge u.a. von Thomas Elsaesser, Peter Glaser und Tom Tykwer zum Thema Zukunft Kino und Film-Gaming-Konvergenz
Don Tapscott über die Öknomie im Web 2.0 und ihre Öffnung dem User gegenüber - Wikinomics eben